Institut Deutsche Adelsforschung
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Kleines ABC zum deutschen Adel

Namen, Verbände, Daten, Fakten aus fünf Jahrhunderten

Die vorliegende Webseite ist Teil eines kleinen virtuellen Lexikons betreffend herausragende Persönlichkeiten des deutschen Adels der Neuzeit sowie adelseigene Begriffe und Institutionen. Neben einer thematischen Einleitung zum Gesamtwerk finden Sie hier auch Register aller Artikel im Lexikon auf der Verzweigungsseite.

Adelskorporationen

Zusammenschlüsse rechtlicher oder gesellschaflicher Art von Edelleuten eines bestimmten Territoriums oder eines bestimmten Standes zum Zecke der Rechtsvertretung, der Geselligkeit, der Pflege des Standesbewußtseins und des Zusammenhalts des Adels. A. gab es seit dem Mittelalter in Form von Rittergesellschaften. Später gab es eine Vielzahl heute oft unbekannter oder nur wenig erforschter verschiedneste Zusammenschlüsse wie etwa die Adelskette oder der erst 1902 begründeteVerein deutscher Fürstinnen zur Hebung der Sittlichkeit.

In vielen Territorien Deutschlands gab und gibt es immer noch Ritterschaften als Zusammenschlüsse des landgesessenen Adels einer Region, von den zahlreichen der Zeit bis 1945 überlebten den zweiten Weltkrieg nur Ritterschaften auf westdeutschem Gebiet, so die Althessische Ritterschaft, die Genossenschaft des Rheinischen Ritterbürtigen Adels und die Schleswig-Holsteinischen Prälaten und Ritterschaft.

Neben diesen existierten auch regionale A., die weniger nur den grundbesitzenden als mehr den gesamten Adel einer Landschaft aufnahmen. Hier ist in erster Linie die 1874 bis 1956 wirkende Deutsche Adelsgenossenschaft zu nennen, die sich in Landes- und Provinzialabteilungen untergliederte. Nach 1945 nahmen diese Stellungen die regionalen A. ein, die seither in der Regel den Namen einer "Vereingung des Adels in ..." tragen und in der Rechtsform eines e.V. bestehen. Wer in sie aufgenommen werden will, muß stets dem historischen deutschen Adel angehören oder durch eine Nichtbeanstandung des Deutschen Adelsrechtsausschusses als zugehörig ausgewiesen sein. Darüber hinaus ist meistens Bedingung, daß man einem Adelsgeschlecht entstammt, das in der betreffenden Region schon länger ansässig ist. Zumindest aber sollte man beruflich im Land tätig sein, um Mitglied werden zu können.

Die Ziele der regionalen Vereine nach 1945 sind meist geselliger und unterhaltender Natur, wenngleich in bestimmten Fällen auch eine Standesvertretung erfolgt. Im allgemeinen aber üben die Vereine in der Öffentlichkeit Zurückhaltung und unterscheiden sich dadurch von ihren Vorgängern, den Landesabteilungen der Deutsche Adelsgenossenschaft. Zusammengeschlossen sind die Nachkriegs-A. in der Vereinigung der Deutschen Adelsverbände. Ihre Anzahl bleibt relativ konstant und blieb es auch nach der deutschen Wiedervereinigung, da die bestehenden zum Teil "exilierten" Verbände nun auch in den neuen Bundesländern tätig wurden, so der Verband Der Sächsische Adel e.V. in Sachsen und Thüringen oder die Vereinigung des Adels in Berlin e.V. (1991 erfolgte die Umbenennung in Vereinigung des Adels in Berlin und Brandenburg e.V.).

Rückgrat der Adelsverbände sind heute die Familienverbände. Obwohl vielfach nur Einzelmitglieder in die A. aufgenommen werden, bilden gerde diese doch den ideellen Haltepunkt des innersten Kreises des Adels, der Familie. Von der Rekrutierung der Jugend in die Familienverbände hängt im wesentlichen auch deren Einbindung in die A. ab und nur sie garantiert lebendiges und traditionelles Fortbestehen des Adels als Gesellschaftsgruppe.

Über das Gefühl der Zusammengehörigkeit unter demselbem Namen entwickelt sich hier oft das erste Engagement in der Verbandsarbeit, bevor man in die regionalen Verbände geht und dort Funktionen übernimmt. Das Prinzip der gegenseitigen Hilfe wird mit Stiftungen genauso wie auf überregionaler Ebene in Form des Hilfswerks der Deutschen Adelsverbände durchgeführt, da die A. Rechte nur aus erfüllten Pflichten ableiten. Daneben ist die Aufgabe der A. im großen wie im kleinen Kries auch die Bestimmung des eigenen Standorts und Diskussionsort über die sich immer rascher ändernde Welt und die Stellung der Edelleute in ihr und im 21.Jahrhundert.

Quellen und Literatur: NN: Die Bedeutung einer corporativen Adels-Organisation für Staat und Gesellschaft, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.XI, Berlin 1893, S.521-524 --- NN: Zur Frage der Ständeorganisation, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.XXXVII, Berlin 1919, S.259-260 --- Schalburg, Dr.Robert v.: Die deutschen Adelsverbände in der Bundesrepublik. Ihre Einrichtungen und Aufgaben / Liste der Vorstandsmitglieder der Vereinigung der deutschen Adelsverbände und der Jugendsprecher der angeschlossenen Verbände, in: Verband der Angehörigen der Baltischen Ritterschaften (Hg.): Nachrichtenblatt, Jg.VIII, H.1, März 1966, S.2-4 --- NN: Edelmännische Charaktergestalten (betr. Adelskörperschaften), in: Deutsches Adelsblatt, Jg.XXV, Berlin 1907, S.491-492 --- NN: Adel und Adelsvereinigungen heute. Aus einer Ansprache des seinerzeitigen Präsidenten Dr. Johann Heinrich v.Brunn vor dem 28.Hessischen Adelstag, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.XIX, Kirchbrak 1980, S.147-148 --- Fritsch-Seehrhausen, Thomas Frhr.v.: Familienverbände (des Adels), in: Deutsches Adelsblatt, Jg.XXIII, Kirchbrak 1984, S.103-105 --- Hierzu Fritsch-Seerhausen, Thomas Frhr.v.: Familienverbände (des Adels, Sinn und Zweck), in: Deutsches Adelsblatt, Jg.XXIV, Kirchbrak 1985, S.56-57 --- Dewitz, Hasso v.: Staatliches Gleichheitsgebot und private Vereinigungsfreiheit (betr. Familienverbände des Adels und Aufnahmegrundsätze von Adelsvereinigungen), in: Deutsches Adelsblatt, Jg.XXVII, Kirchbrak 1988, S.202-204 --- Fritsch, Thomas Frhr.v.: 100 Jahre deutsche Adelsverbände, in: Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Bd.II, Gesamtreihe Bd.LVIII, Limburg Lahn 1974, S.IX-XIV --- NN: Verein deutscher Fürstinnen zur Hebung der Sittlichkeit (betr. Gründung und Ziele desselben im Jahre 1902), in: Deutsches Adelsblatt, Jg.XX, Berlin 1902, S.740 (Rubrik "Nachrichten aus Stadt und Land") --- Hierzu NN: Eine neue ehtische Berufs-Genossenschaft (betr. den Verein zur Hebung der Sittlichkeit), in: Deutsches Adelsblatt, Jg.XX, Berlin 1902, S.766-767 --- S., v.: Begründung von Familienverbänden und Bildung von Familienstiftungen oder Heimstätten mit besonderer Berücksichtigung unserer Töchter, in: Deutsches Adelsblatt, Jg.XIX, Berlin 1901, S.249-251 --- Fritsch-Seerhausen, Thomas Frhr.v.: Die Familienverbände als Basis der Adelsvereinigungen, in: Verband der Baltischen Ritterschaften (Hg.): Nachrichtenblatt der Baltischen Ritterschaften, Jg.XX, Nr.78, Juni 1978, S.145-146
 


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