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Ob Sie es glauben oder nicht. Kompliziert wird es eigentlich erst, wenn man so mitten in der Forschung steckt. Um Ihnen am Beginn der Forschung zu helfen, haben wir Ihnen aber ein kleines Kompendium zusammengestellt, daß Ihnen behilflich sein soll, auf Ihre Fragen eine antwort zu finden. Dabei allen gerecht zu werden, ist naturgemäß unmöglich, da jeder sehr individuelle Fragestellungen an ein Thema hat. Wir wollen uns jedoch im Folgenden auf genealogische Vorgehensweisen speziell im Bereich des Adels beschränken.
Wie kann man bei genealogischer und biographischer Firschung zu einer deutschen Adelsfamilie vorgehen? Diese Frage wird immer wieder von interessierten Anfragenden gestellt und soll hier einmal für Menschen, die sich nicht täglich mit historischen Quellen in Archiven und Bibliotheken befassen, beantwortet werden.
Wenn wir Anfragen nach dem Vorkommen von Edelleuten in der Literatur und in Archiven beantworten, müssen wir uns immer auf nur einen geringen Prozentsatz der vorhandenen Quellen beschränken. Warum dies so ist, wird deutlich, wenn man sich die Sie sich die ungeheuere Quellenfülle einmal betrachtet: Es gibt in der Bundesrepublik Deutschland in jedem der 16 Bundesländer ein oder mehrere Staatsarchive - alle Websiten und eMailanschriften sowie Postadressen dieser Archive finden Sie übrigens sämtlich unter http://www.archivschule.de -, die jeweils ein historisches oder aktuelles Territorium "beerben".
Sie übernehmen die Bestände der vordem dort ansässigen
Behörden und bereiten sie für die Benutzung auf. Jeder, der ein
berechtigtes Interesse nachweist, kann diese Akten - Datenschutzbestimmungen
müssen natürlich beachtet werden - frei nutzen. Das bedeutet,
daß z.B. Akten des ehemaligen Herzogtums Nassau heute in einem hessischen
Staatsarchiv zu finden sind. Und jedes dieser staatlichen Archive besitzt
in der Regel mehrer laufende Kilometer Akten - von Karten, Urkunden und
Plänen ganz zu schweigen. Hinzu kommen noch private Archive, Verbandsarchive,
Familienarchive, Kirchenarchive usw.
II. Schwierigkeit Provenienzprinzip
Die oft anzutreffede Auffassung, man könne bei der Suche beispielsweise nach einer württembergischen Adelsfamilie im zuständigen württembergischen Hauptstaatsarchiv Stuttgart nach einer "Mappe" oder einem "Karton" fragen, der diese bestimmte Familie betrifft, ist irrig. Wenn dem so wäre, bedürfte es beispielsweise nicht unserer Arbeit der Quellenvermittlung.
Denn grundsätzlich werden in Deutschland alle Akten in Staatsarchiven
nach dem Herkunfts- oder Provenienzprinzip der Entstehungssituation sortiert
und verzeichnet und für eine Benutzung durch ein sogenanntes Findbuch
erschlossen. Herkunftsprinzip bedeutet, daß die Akten nicht nach
biographischen Betreffen geordnet werden, sondern nach abgebenden Institutionen
sortiert und aufgestellt werden. Ein Beispiel: Akten eines preußischen
Oberpräsidiums finden sie in einem Bestand mit dem Namen "Oberpräsidium."
Darin untergliedert ist dann nach Sachbetreffen wie beispielsweise Wassersachen,
Adelsangelegenheiten, Wegesachen, Personal und dergleichen mehr. Unter
"Personal" könnten sich nun vielleicht akten befinden, die die Laufbahn
eines Regierungsrates beschreiben. Erst hier also ist es möglich,
biographisch direkt zuzugreifen. Das bedeutet, daß es in der Regel
- von speziellen genealogischen Sammlungen abgesehen - nur möglich
ist, über ehemalige Behörden fündig zu werden, deren Bezeichnung
auf den ersten Blick nicht offenbaren, daß hier Material zu einer
deutschen Adelsfamilie vorhanden sein könnte.
III. Die ersten Schritte
Wie kommt man nun an solche versteckten Vorkommen heran? Zuerst sollte man sich mit den Grundstrukturen der Genealogie vertraut machen. Zu diesem Zwecke hilft es vorzüglich, wenn man sich über unser Anfrageformular die Quellennachweise zu einzelnen Familien in den gängigsten Adelslexika bestellt. Dort werden in der Regel die Genealogien angezeigt und man hat dann eine gute Basis für weitere Forschungen.
IV. So geht es weiter ...
Jetzt sind sie schon einmal mit vielen Einzelinformationen ausgestattet, die es Ihnen erlauben, Namen, Daten und Länder zu spezifizieren. Welche Anhaltspunkte aber befinden sich für weitere archivalische Forschungen in dem oben genannten Beispiel? Sehr viele! Seien Sie kreativ und besorgen sich - um bei unserem Beispiel v.Negelein zu blieben - über die Fernleihe Ihrer örtlichen Biblitohek zusätzliche Literatur, in der mehr stehen könnte:
V. Register können sehr hilfreich sein
Doch selbst jetzt ist es nicht immer einfach, etwas zu ermitteln. Es gibt in keinem Archiv Register aller vorkommenden Namen in allen Akten, bei der Fülle an vorhandem Mateiral ein Ding der Unmöglichkeit. Der Negeleinsche Enkel könnte zum Beispiel als Offizier in ein Duell verwickelt gewesen sein. Möglicherweise gibt es dazu ein Akte, aber wo suchen? Im Geheimen Staatsarchiv gibt es viele Bestände mit Duellakten: im Innenministerium, im Justizministerium, im Zivilkabinett.
Hier setzt noch einmal unsere Arbeit an: wir indexieren solche Akten nach dem Vorkommen von Familiennamen des deutschen Adels und können Ihnen zum Beispiel sagen: In diesem oder jenem Archiv in der Akte mit der Bezeichnung (auch Signatur genannt) "Abteilung 17, Faszikel 9a, Nr.3291" befindet sich in der Tat ein Duellfall, in den ein v.Negelein verwickelt war. Auch wir werden niemals ein Register erstellen können von allen Akten in allen oder geschweige nur einem einzigen Archiv. Jedoch können wir mit jeder neu indexierten Akte mehr Informationen liefern. Oder hätten Sie vermutet, daß in einem Archiv des Landes Schleswig-Holstein, wo die Familie überhaupt nicht ansässig war, ein Major v.Negelein nach 1945 eine staatliche Pension bezog und darüber noch eine Akte existiert?