Die späte Erzählung "Des Vetters Eckfenster"
von E.T.A. Hoffmann (sie erschien nur wenige Monate vor seinem Tod im Jahre
1822) ist in der Forschung durchaus umstritten. Die Forscher verwirrte
vor allem die Abwesenheit phantastischer Elemente, für die der "Geister-Hoffmann"
doch so berühmt geworden war. Diese Arbeit versucht eine Interpretation
der Erzählung, die die sozialen, ökonomischen und ästhetischen
Veränderungen ihrer Entstehungsperiode mit berücksichtigt. Es
geht dabei weniger um eine literaturhistorische Einteilung (Phantastik
vs. Realismus) als um ein Stück Wahrnehmungs- und Mediengeschichte,
die an der Darstellungsform des Panoramas erarbeitet wird. Die Erzählung
erzählt weniger eine Geschichte, als daß sie eine bestimmte,
historisch neue Wahrnehmungs-Konstellation präsentiert und "panoramatische"
Strategien entwickelt, um die Wahrnehmungen darstellbar zu machen.
Volker Hummel, Juni 1999. Kommentare an vhummel@foni.net