2. Die Bewältigung der Krise:
Das panoramatische Verfahren
Das Problem des Vetters läßt sich nun in die Frage fassen, wie
er sein dichterisches Vermögen, seine Imaginationskraft wieder mit
einer Außenwelt kommensurabel machen kann, von der er doch so abgeschnitten
zu sein scheint. Wie kann er also etwas schaffen, in dem andere Menschen
ein Abbild ihrer Umwelt erkennen und nicht nur ein Phantasieprodukt? Bezogen
auf den Besucher lautet die Frage: Wie läßt sich das äußerst
komplexe und vielfältige Marktgeschehen so auffassen und beschreiben,
daß es für ihn erfahrbar wird? Der Vetter selbst ist sich bewußt,
daß er dem Besucher eine Lektion erteilt: "Auf Vetter! ich will sehen,
ob ich dir nicht wenigstens die Primizien der Kunst zu schauen beibringen
kann." (600) Zweck der Übung ist die Erfahrbarkeit des Marktgeschehens,
die Überwindung des Schwindels, um zu einem "deutliche[n] Schauen"
zu gelangen.
Das Bedürfnis des Vetters und seines Besuchers nach einer neuen
Darstellungs-/Wahrnehmungsweise ist jenem Bedarf vergleichbar, der in den
bildenden Künsten zum Panorama geführt hat. Ebenso wie die Form
des Panoramas entwickelt wurde, um größere Bereiche der Natur
und neue Seherfahrungen abbildbar zu machen (Horizont, Montgolfieren, Geowissenschaften),
so dient das Verfahren des Vetters, in das er seinen Besucher unterweist,
der besseren Abbildbarkeit größerer Bereiche des gesellschaftlichen
Lebens. Der "Anblick eines scheckichten, sinnverwirrenden Gewühls
des in bedeutungsloser Tätigkeit bewegten Volkes" soll in "die mannigfachste
Szenerie des bürgerlichen Lebens" (600) umgewandelt werden, die amorphe
Masse der unterschiedlichsten Menschen soll geordnet und dem Blick zugänglich
werden. Es lassen sich nun strukturelle Parallelen zwischen der Erstellung
eines Panoramas und der Vorgehensweise des Vetters feststellen, die es
erlauben, von einem panoramatischen Verfahren zu sprechen. |