Anmerkungen

1 Thomas Eicher, "'Mit einem Blick das ganze Panorama des grandiosen Platzes'. Panoramatische Strukturen in 'Des Vetters Eckfenster' von E.T.A. Hoffmann". Poetica 25, H. 3/4 (1993), S. 360-377. BACK

2 E.T.A. Hoffmann, 'Des Vetters Eckfenster'. In: E.T.A. Hoffmann, Späte Werke. Darmstadt 1965. S. 595-622, hier S. 598 (folgende Seitennachweise im Text). Eine elektronische Fassung dieser Erzählung ist dem Projekt Gutenberg zu verdanken, daß es sich zur Aufgabe gemacht hat, Klassiker der Literatur im Internet zugänglich zu machen: gutenberg.aol.de/etahoff/eckfenst/eckfenst.htm  BACK

3 Peter von Matt, Die Augen der Automaten. Tübingen 1971, S. 231 ff. - Heinz Brüggemann, "Aber schickt mir keinen Poeten nach London!" Großstadt und literarische Wahrnehmung im 18. und 19. Jahrhundert. Reinbek bei Hamburg 1985. S. 176 ff.  BACK

4 E.T.A. Hoffmann: Die Serapionsbrüder. München 1961, S. 156 (folgende Seitennachweise mit dem Kürzel Sb. im Text). BACK

5 Ulrich Stadler, "Die Aussicht als Einblick. Zu E.T.A. Hoffmanns später Erzählung 'Des Vetters Eckfenster'". Zeitschrift für deutsche Philologie Bd. 105 (1986), S. 498-515, hier S. 512. BACK

6 Günter Oesterle, "E.T.A. Hoffmann: 'Des Vetters Eckfenster'. Zur Historisierung ästhetischer Wahrnehmung oder Der kalkulierte romantische Rückgriff auf Sehmuster der Aufklärung". Der Deutschunterricht 39 (1987), S. 84-110, hier S. 86. BACK

7 Die erste Figur, die der Besucher aufgefordert wird, durchs Fernglas zu betrachten, wird als "Restantin aus dem letzten Kriege" (600) gedeutet. Die Verbindung zwischen den napoleonischen Kriegen und der "Unsicherheit der Bürger, ihr Gegenüber einschätzen zu können" wird besonders deutlich im Falle der "exotischen Figur", bei der es sich dem Vetter zufolge sowohl um einen deutschen Zeichenmeister als auch um einen französischen Pastetenbäcker handeln könnte. (S. 611 ff.) Die absolute Verschiedenheit der beiden Hypothesen veranschaulicht sehr gut, wie wenig man in einer modernen Großstadt tatsächlich über seinen Nächsten wissen kann. Nicht nur der Beruf, sogar die Nationalität ist fragwürdig geworden.  BACK

8 Die Reaktion des Besuchers auf das Marktgewimmel gleicht in auffälliger Weise der der ersten Panoramenbesucher, die zum erstenmal aus dem dunklen Gang auf die Plattform der Rotunde gelangten und auf die von Details wimmelnde Leinwand blickten. Auch sie wurden von einem Schwindel erfaßt, einem Gefühl der Unwirklichkeit. Oettermann schreibt, daß viele Besucher dem anfänglichen Schwindel durch die Fixierung auf das Geländer entgegenwirkten, an das sie sich klammerten. Daraus wird deutlich, daß das Panorama eine neue, keineswegs natürliche Form des Sehens erfordert, die erst einmal erlernt werden muß. Panoramen üben in diese neue Wahrnehmungsform ein - ebenso wie es im folgenden der Vetter mit seinem Besucher macht.  BACK

9 Oesterle, S. 86. Die Erkennung menschlicher Charaktereigenschaften anhand äußerer Details, also die Physiognomik, geht vor allem zurück auf Johann Caspar Lavater. Sein Werk Von der Phyiognomik versucht eine universelle Methodik zur Entschlüsselung menschlicher Gesichtslandschaften zu entwickeln. Intelligenz erweist sich hier als eine Funktion verschiedener Gesichtswinkel.  BACK

10 Oesterle, S. 87.  BACK

11 Oesterle, S. 93.  BACK

12 Stadler, S. 514/515. BACK

13 Oesterle, S. 94.  BACK

14 Weitere Beispiele für die "phantastischen" Tendenzen des Besuchers: "Was für eine tolle Figur" (601); "Wes Geisteskind ist die tolle abenteuerliche Figur? Ein wenigstens sechs Fuß hoher, winddürrer Mann, der noch dazu kerzengerade mit eingebogenem Rücken dasteht!" (609)   BACK

15 Eicher, S. 368.  BACK

16 Ein anderes Beispiel, an dem sich sehr genau erkennen läßt, wie der übersichtige Vetter die Aufmerksamkeit des Besuchers lenkt und ihn damit vor allzu individuellen Schlüssen wahrt, findet sich auf Seite 605 f. Bei der Beobachtung eines jungen Mädchens ist der Besucher auf einen Widerspruch gestoßen, den er aus seiner eingeengten Perspektive nicht aufzulösen vermag: "Überhaupt, je länger ich das Mädchen beobachte, desto mehr fällt mir eine gewisse Eigentümlichkeit auf, die ich mit Worten nicht ausdrücken kann." (605) Dieser "Eigentümlichkeit", die zu den wildesten Spekulationen Anlaß geben könnte, wirkt der Vetter durch den Verweis auf eine andere, sich außerhalb des Fernglasausschnittes befindlichen Figur entgegen: "Schau doch, lieber Vetter ein wenig rechts die Straße hinauf..."  BACK

17 Daß der Vetter das Marktgeschehen schon lange beobachtet und verinnerlicht hat, wird fast auf jeder Seite deutlich: "Ich nenne diese Person, die keinen Markttag fehlt, die rabiate Hausfrau [...] ungefähr jeden vierten Markttag wird sie von einer anderen Magd begleitet." (601); "Doch schon lange ist mir jener Mann aufgefallen und ein unauflösliches Rätsel geblieben ..." (609); "Mit Schmerz vermisse ich nämlich eine Köhlerfamilie, die sonst ihre Ware geradeüber meinem Fenster am Theater feilbot ..." (616) Der Vetter kennt die Abläufe schon so genau, daß er weiß, was als nächstes passieren wird. Auf die Frage des Besuchers, was sich denn im Kasten des rätselhaften Mannes befinde, antwortet er: "Das wirst du gleich erfahren, schau nur aufmerksam hin." (610)  BACK

18 Stadler, S. 509.  BACK



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